Pflanzenwissen

Photo: Stephanie Beaugrand

By Jun.-Prof. Dr. Julia Binter and Joanne Rodriguez

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Mit der Ausstellung Pflanzenwissen – Ökologien des Erinnerns und Handelns entsteht im Global Heritage Lab der Universität Bonn ein Lern- und Begegnungsraum an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Stadtgesellschaft. Die Ausstellung lädt dazu ein, unterschiedlichen Wissensperspektiven zu begegnen und gemeinsam Fragen zu entwickeln, die zu nachhaltigem Handeln und einem achtsamen Zusammenleben mit Pflanzen und Umwelt anregen.

Die Ausstellung zeigt, dass unsere Beziehungen zu Pflanzen, Ökosystemen und Gewässern historisch gewachsen sind und bis heute von Kolonialismus, Versklavung und extraktiven Wirtschaftsweisen geprägt werden. Zugleich eröffnet sie Perspektiven für neue Formen des Zusammenlebens und der Wissensproduktion.

Künstler:innen mit familiären Bezügen zu Chile, Australien und Neuseeland, Nigeria, Mauritius, Indien und Jamaika bringen vielfältige kulturelle und biografische Perspektiven ein. Gemeinsam mit Wissenschaftler:innen der Universität Bonn entsteht ein vielstimmiger Dialog zwischen künstlerischer Praxis, Forschung und gelebter Erfahrung.

Strukturiert ist die Ausstellung entlang der vier Kapitel Frühling, Sommer, Herbst und Winter. In diesen Zyklen werden Prozesse von Wachstum, Ernte, Verlust, Erinnerung und Wandel sichtbar – ebenso wie die Frage, wie historische Formen von Kolonialismus und Extraktivismus die Beziehungen zwischen Menschen, Pflanzen und Wissen geprägt haben und welche neuen Formen des Forschens und Handelns daraus entstehen können.

Pflanzenwissen versteht sich als Einladung, mitzudenken, mitzuhören und mitzuhandeln.

Die Ausstellung wird vom Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (BCDSS) gefördert und bringt zahlreiche dort tätige Wissenschaftler:innen mit künstlerischen Positionen zusammen. Sie entsteht in Kooperation mit den Botanischen Gärten der Universität Bonn sowie der Pharmazeutischen Biologie der Universität Bonn.

In Zusammenarbeit mit der Pharmazeutischen Biologie wurden Pflanzen aus der Ausstellung von Studierenden destilliert. Die dabei gewonnenen ätherischen Öle können im Duftlabor der Ausstellung sinnlich erfahren werden. Das Projekt eröffnet einen neuen Zugang zu Pflanzen zwischen Heilwissen, wissenschaftlicher Praxis und ästhetischer Wahrnehmung. Über das gesamte Ausstellungsjahr hinweg arbeiten Studierende aus Kulturwissenschaften und Biologie gemeinsam an diesen Fragestellungen. Dabei entsteht ein interdisziplinärer Forschungsraum, der erkundet, wie sinnlich biologische Prozesse sein können und wo sich Kunst und Naturwissenschaft begegnen.

Zwei kuratierte Lesebereiche vertiefen die Themen der Ausstellung: Eine von der Theodor Wonja Michael Bibliothek zusammengestellte Präsenzbibliothek versammelt Literatur zu Black Ecologies. Ein weiterer, familienfreundlicher Lesebereich mit Kinder- und Jugendliteratur zu Pflanzen, Umwelt und Nachhaltigkeit entsteht in Kooperation mit der Buchhandlung Der kleine Laden.

Erstes Ausstellungskapitel:

Frühling 2026 – Wovon träumt Pewen?
Neyen Pailamilla

Neyen Pailamilla Performance in Zürich, 28.6.2025 ©Michael Schmid

Der Auftakt der Ausstellung versteht Pflanzenwissen als Lernraum, Heilungsort und Beziehungspraxis. Im Zentrum steht die Pewen (Andentanne), ein heiliger Baum der Mapuche, der für Widerstand, Spiritualität und kollektive Identität steht. Der Frühling eröffnet einen Raum für verkörpertes, sinnliches und gemeinschaftliches Lernen zwischen Mensch und Pflanze.

Öffnungszeiten: 19. März 2026 – 14. Februar 2027, Mi-So 14-18 Uhr, Global Heritage Lab in P26, Poststraße 26, 53111 Bonn.

Plant Knowledge – Ecologies of Memory and Practice

With the exhibition Plant Knowledge – Ecologies of Memory and Practice, the Global Heritage Lab is creating a space for learning and encounter at the intersection of art, science, and urban society at the University of Bonn. The exhibition invites visitors to engage with diverse perspectives on knowledge and to collaboratively develop questions that inspire sustainable action and mindful coexistence with plants and the environment.

The exhibition demonstrates that our relationships with plants, ecosystems, and bodies of water have evolved historically and continue to be shaped by colonialism, slavery, and extractive economic practices to this day. At the same time, it opens up perspectives for new forms of coexistence and knowledge production.

Artists with family ties to Chile, Australia, and New Zealand, Nigeria, Mauritius, India, and Jamaica contribute diverse cultural and biographical perspectives. Together with researchers from the University of Bonn, a polyphonic dialogue emerges between artistic practice, research, and lived experience.

The exhibition is structured around four chapters: Spring, Summer, Autumn, and Winter. Within these cycles, processes of growth, harvest, loss, memory, and change become visible—as does the question of how historical forms of colonialism and extractivism have shaped the relationships between people, plants, and knowledge, and what new forms of research and action may emerge from them.

Kowing Plants – Ecologies of Memory and Practice is an invitation to think, listen, and act together.

The exhibition is sponsored by the Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (BCDSS) and brings together numerous researchers from the center with artistic perspectives. It is being developed in cooperation with the Botanical Gardens of the University of Bonn and the Department of Pharmaceutical Biology at the University of Bonn.

In collaboration with the Department of Pharmaceutical Biology, students distilled plants from the exhibition. The essential oils obtained through this process can be sensorially experienced in the exhibition’s scent laboratory. The project opens up a new approach to plants, bridging the gaps between healing knowledge, scientific practice, and aesthetic perception. Throughout the entire exhibition year, students from cultural studies and biology will work together on these questions. This creates an interdisciplinary research space that explores how sensory biological processes can be and where art and science intersect.

Two curated reading areas delve deeper into the exhibition’s themes: A reference library compiled by the Theodor Wonja Michael Library brings together literature on Black Ecologies. Another family-friendly reading area, created in cooperation with the bookstore Der kleine Laden, features children’s and young adult literature on plants, the environment, and sustainability.